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Rezension zum Film: "Dem Geheimnis des Lebens nahe"

Von Dr. Ludwig Schulte
Ehemaliger Leitender Wissenschaftlicher Direktor der Führungsakademie in Hamburg, Wissenschaftsautor

Urknall und Evolutionstheorie waren jahrzehntelang die tragenden Pfeiler des naturwissenschaftlichen Weltbildes. Im Gegensatz zur Urknalltheorie, die von der Forschung weitgehend akzeptiert worden ist, weil es keine bessere Erklärung für eine Reihe unumstößlicher physikalischer und astronomischer Tatsachen gibt, ist die Evolutionstheorie nicht nur in den USA, sondern neuerdings auch in Europa in die Kritik geraten. Besonders ist seit den 80 er Jahren umstritten, ob die Lehre Darwins von der Entstehung der Arten noch als eine geschlossene Theorie zur Erklärung aller Lebensformen auf der Erde gelten kann. Die Diskussion um die Entstehung des Lebens und der vielfältigen Lebensformen wird zur Zeit besonders heftig in den USA geführt, wo die Debatte schon Formen des Kulturkampfes des vergangenen Jahrhunderts angenommen hat. Inzwischen ist der Streit um die Frage "Evolution durch Zufall und Selektion" oder "Entwicklung des Lebens auf Grund eines Plans oder Designs" auf den europäischen Raum übergeschwappt.

Das Thema "intelligent Design" ist inzwischen zu einem beliebten Thema in den Feuilleton- Spalten großer Tageszeitungen und Magazine geworden. Dazu hat im vergangenen Jahr nicht zuletzt auch die Veröffentlichung eines Artikels von Kardinal Schönborn (Wien) auf der Titelseite der New York Times mit dem Thema "Finding Design in Nature" beigetragen, der international ein großes Echo ausgelöst hat.
Der Film "Dem Geheimnis des Lebens nahe", eine synchronisierte Fassung des in Amerika produzierten Films "Unlocking the Mystery of Life", setzt erstmalig im deutschsprachigen Raum die Diskussion um die Grundfragen des Lebens "Woher kommen wir?" und "Wie ist das Leben entstanden?" mit exzellentem Bildmaterial fort. Der Film ist der gelungene Versuch, die Auseinandersetzung über die Ursprungsfrage des Lebens von der schwer zugänglichen Ebene akademischer Diskussion wieder auf den Boden verständlicher sachlicher Argumente zurückzuholen.
Im Film kommen bedeutende Biologen zu Wort, von denen einige wie der sehr bekannte amerikanische Chemiker Dean Kenyon eine bemerkenswerte Metamorphose ihres Denkens durchgemacht haben, nämlich von ursprünglichen Anhängern der Darwinschen Evolutionstheorie zu überzeugten Vertretern der These, dass ohne ein Design oder einen Plan, der allen komplexen Lebewesen von Anfang an zu Grunde liegt, sich die Vielfalt des Lebens in ihrer Komplexität nicht erklären lässt.
Überhaupt stehen die komplexen Systeme des Lebens im Mittelpunkt der Betrachtung. Damit wird eine Frage aufgeworfen, die zu Darwins Zeiten noch kein Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschung sein konnte, weil die Molekularbiologie erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts ihre großen bahnbrechenden Entdeckungen gemacht hat und die geheimnisvollen Mechanismen der komplexen Systeme erforschen konnte. Am Beispiel der Bakteriumsgeissel, die einigen Bakterien, die auch im Menschen beheimatet sind, als Fortbewegungsmittel dienen, wird bildlich hervorragend dargestellt, dass die natürlichen Roboter der Natur auch die raffiniertesten kybernetischen Systeme der modernen Technik weit in den Schatten stellen und eine zufällige Entwicklung ohne Plan und Ziel ausschliessen. Im Film wird besonders die Bildung der Proteinmoleküle, die die Grundbausteine allen Lebens sind, in eindrucksvoller Weise veranschaulicht. Die im Film gezeigten animierten dreidimensionalen und bewegten Bilder gehören mit zum Besten, was bisher in Dokumentationsfilmen über den Ursprung des Lebens präsentiert worden ist.

Der Film ist eine Absage an die Darwinsche Vorstellung, dass sich alles Leben in kleinsten Schritten allmählich zu den hochkomplexen Formen des lebendigen Kosmos weiterentwickelt hat. Dabei wird Evolution nicht geleugnet. Denn in bestimmten Bereichen (Mikroevolution) findet sie ständig statt. Nur kann sie auf Grund von Zufall und planlosen Mutationen nicht zu neuen Bauplänen und damit höheren Lebensformen führen, wie es noch Charles Darwin gedacht hat. Insgesamt trägt der Film zur Versachlichung der gegenwärtigen Diskussion über Grundfragen des Lebens bei und befreit in wohltuender Weise die Diskussion von ideologischen Verkrustungen. Zum Schluss des Films drängt sich dem Betrachter die Frage auf, ob der intelligente Plan in den vielfältigen Lebensformen und Organismen dieser Welt notwendigerweise auf einen übernatürlichen Designer hinweist. Der Film lässt diese Frage offen, weil ihre Klärung die Grenzen naturwissenschaftlicher Methoden überschreitet. Doch die Plausibilität und Rationalität der Annahme eines übernatürlichen Designers gehört mit zum Resume des Films. Der Glaube an einen göttlichen Ursprungs dieser Welt setzt naturgemäß aber eine persönliche Entscheidung jedes einzelnen voraus.

Dr. Ludwig Schulte

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