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Aus:
Die Tagespost, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, Dienstag, 26. September 2006

Der Geist in der Maschine

Intelligent Design ist naturwissenschaftlich begründbar: Die Evolutionstheorie wird auf eigenem Boden geschlagen – jetzt auf DVD

VON ALEXANDER RIEBEL

"Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch", schrieb Werner Heisenberg, "aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott". Also auch über die Naturwissenschaft kann ein Weg zum Glauben führen, und das ist eine der Erkenntnisse, die der Film "Dem Geheimnis des Lebens nahe" bietet. Es war auch dringend nötig, dass die Evolutionstheorie auf ihrem eigenen Feld geschlagen wird, weil die Naturwissenschaftler dadurch argumentativ gezwungen werden, selbst den Darwinismus endlich aufzugeben. Bereits 1993 hatte sich eine Gruppe von Wissenschaftlern führender Universitäten in Pajaro Dunes in Kalifornien getroffen. Jeder Einzelne hatte Probleme mit der Evolutionstheorie. Die Wissenschaftler wagten sich an das größte Geheimnis – die Entstehung des Lebens, heißt es in dem Film. Der zeigt die Ergebnisse dieses Treffens und die Erschütterung der Evolutionstheorie.

Charles Darwin hatte in seiner Schrift über die "Entstehung der Arten" noch behauptet, alles Leben sei durch ungerichtete Naturkräfte bestimmt, durch Zufälle und natürliche Auslese. So unterschied er auf den Galapagos -Inseln dreizehn Arten von Finken mit kurzen und längeren Schnäbeln, von denen die mit den längeren Schnäbeln einen Selektionsvorteil haben, weil sie die Nahrung besser aufnehmen können. Doch begnügte sich Darwin damit, die Natur nur durch natürliche Prozesse zu erklären, ohne sie auf intelligente Ursachen zurück zu führen. Die Selektionstheorie – und das ist entscheidend für die Vertreter des Intelligent Design – antwortet nicht darauf, wie die Finken als ganze entstanden sind, sondern erklärt nur ihre spezifischen Merkmale. Darwin bietet also keine vollständige Erklärung, und in der wesentlichen Frage nach der Entstehung des Lebens überhaupt keine. Und er hat das zumindest geahnt. Im Film wird eine Stelle aus seinem Buch über die Artenentstehung genannt, in der Darwin seine eigene Theorie in Frage stellt: "Wenn gezeigt werden könnte, dass ein komplexes Organ existiert, das sich in keiner Weise mittels mehrerer, aufeinander folgender geringfügiger Veränderungen gebildet haben kann, so würde meine Theorie mit Sicherheit zusammenbrechen." Darwin hebt selbst hervor, dass die Selektion in kleinen Schritten vorangehen und dass jede Veränderung einen Selektionsvorteil erbringen muss. Da er aber die Biochemie nicht kannte, konnte Darwin auch nicht wissen, dass sehr wohl Organismen existieren, die so komplex sind, dass sie nicht nacheinander durch Selektion entstanden sein können, sondern nur auf einmal. Also durch eine intelligente Ursache.

Bakteriengeissel

Die Biologen in Pajaro Dunes aber kannten die Komplexität einer Zelle und das vernichtende Gegenbeispiel gegen Darwin ist die Geißel des Bakteriums E. coli. Die Geißel funktioniert wie ein "Außenbordmotor" für das Bakterium. Es gibt einen Propeller, eine Antriebswelle und Zahnräder. Dieses Wunder der Natur kann 100 000 Umdrehungen pro Minute erreichen, abrupt anhalten und sofort wieder auf die gleiche Umdrehungszahl in der umgekehrten Richtung beschleunigen. Es hat einen Vorwärts und Rückwärtsgang, ist wassergekühlt und hat einen Protonenantrieb. Dieser molekulare Motor, der das Bakterium antreibt, besteht aus 40 Proteinbestandteilen und ist leistungsstärker als jedes Computernetzwerk. Und wie bei einem Motor müssen auch alle Teile zugleich existieren und funktionieren, sonst läuft er nicht. Er ist also der von Darwin gefürchtete Organismus, der nicht nacheinander durch Selektion entstanden sein kann. Die Biologen sprechen heute von einer "nicht reduzierbaren Komplexität": entweder funktionieren alle Teile gleichzeitig oder gar nicht. Für die Gruppe von Naturwissenschaftlern in Kalifornien war völlig klar, dass es hierfür nur eine intelligente Ursache geben kann, die den Motor als ganzen geschaffen hat. Und keiner der Forscher sieht hier eine Erklärungslücke, wenn die Natur durch ein intelligentes Design begründet wird.

Aber nicht nur die Bakteriengeißel ist ein entscheidendes naturwissenschaftliches Argument gegen den Darwinismus. Im Film kommt auch Dean Kenyon zu Wort, der in den sechziger bis achziger Jahren zu den führenden Vertretern der chemischen Evolution gehörte und dann seinen Fehler durchschaute: Das Leben ist nicht biochemisch determiniert. Der Bauplan der allerersten Zelle kann nicht durch Zufall entstanden sein, auch nicht durch Selektion. Denn die Proteine einer Zelle können sich nicht ohne die DNA zusammen setzen, die wiederum in der intelligenten "Sprache des Lebens" mit dem Code ATCG konstruiert ist. So wenig, wie wir die ägyptischen Hieroglyphen Sandstürmen zuschreiben, so wenig ist das Leben durch bloß natürliche Ursachen entstanden. Für Dean Kenyon ist heute erwiesen: Im Reich der molekularen Genetik entdecken wir intelligentes Design. Es ist die beste Erklärung aller Erbinformationen. Und nur wenn wir eine intelligente Ursache annehmen, lässt sich die Schönheit, Rationalität und Nachvollziehbarkeit der Natur bis auf den Grund der Dinge erkennen. Die Annahme des Intelligent Design beruht nur auf der Beobachtung der Tatsachen und müsste dazu führen, die Grundlage der Wissenschaften neu zu definieren. Vielleicht ist die Diskussion über das Intelligent Design, die die Biologen damals in Pajaro Dunes begründet haben, auch ein Wink an die Philosophen. Denn seit der Antike haben die Philosophen gewusst, dass das Denken, also die Vernunft und ihre grundlegenden Prinzipien, mit einem Schlag da ist. Auch hier gibt es kein nacheinander, sondern einen Hinweis auf einen intelligenten Schöpfer.

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